Bist du auch so eine unerschütterliche, starke Powerfrau wie ich? So eine à la Leuchtturm La Jument mitten im Jahrhundertsturm? Du weißt schon: Die Wellen schlagen meterhoch, das emotionale Fundament wackelt, aber du stehst da wie eine Eins. Du leuchtest geradeaus und schupfst Familie, Haushalt, Business und was weiß ich noch alles im Alleingang. 🌊
Gratuliere und herzlich willkommen im Königinnen-Reich der hyper-souveränen Macherinnen!
Das ist das Reich der Frauen, die mit unermüdlichem Einsatz durchs Leben rennen, alles organisieren, kontrollieren und allein umsetzen, und sich dann am Ende des Tages fragen, warum sie sterbensmüde, erschöpft und frustriert sind, während der Rest der Familie bereits selig vor dem TV hockt oder ins Land der Träume gereist ist.
Die unbewussten Muster einer echt taffen, verantwortungsvollen und pflichtbewussten Frau
Wie ich das gern so tue, bediene ich mich auch in diesem Blogartikel wieder meiner Metaphern-Figur „Der Jammerlappen“:
Er nämlich hockt im Reich der Macherinnen felsenfest auf seinem Thron und schwingt sein Zepter. 👑
Von dort aus füttert er uns rund um die Uhr mit Sätzen wie diese hier (etwas überspitzt formuliert 😉):
🔶 „Wenn ich mich nicht darum kümmere, dass mein Mann nach der Arbeit was zum Beißen auf dem Tisch stehen hat, verhungert er!“
🔶 „Wenn ich mich nicht um einen Ausbildungsplatz für meinen Sohn / meine Tochter kümmere, findet er / sie nie einen!“
🔶 „Wenn ich nicht die Finanzen unter Kontrolle habe und selbst einem gut bezahlten Job nachgehe, fliegen wir bestimmt bald aus der Wohnung!“
Aber warum gibt es solche – oder so ähnliche – Sätze in uns?
Warum lassen wir uns von ihnen antreiben, wenn wir uns doch eigentlich einen starken und verantwortungsbewussten Mann an unserer Seite wünschen, der auch allein klarkommt und mit dem wir auf Augenhöhe unser Leben gestalten?
Warum handeln wir bei unseren Kindern so, obwohl wir sie in ein eigenständiges Erwachsensein begleiten möchten?
Wieso behandeln wir unsere Mitmenschen so, als ob sie ohne uns niemals überleben könnten – egal ob privat oder im Business?
Früh gelernt und tief geprägt
Das hat mit tiefen, inneren Mustern und Dynamiken aus unserer Kindheit zu tun.
Viele heute als taffe oder starke Frau bezeichnete weibliche Wesen haben oft schon als Kind Verantwortung für Situationen übernommen, die eigentlich Erwachsenenkram gewesen wären. Das war damals eine überlebenswichtige Strategie, um emotionale Sicherheit zu gewinnen.
Noch ein Stück tiefer geblickt bedeutet das außerdem, dass wir etwas verloren haben, das für ein entspanntes Leben essenziell ist: das Urvertrauen in die Fähigkeiten und Verantwortlichkeiten der anderen – und in uns selbst.
Diese alten Schutzmechanismen wirken dann im Erwachsenenleben unbewusst weiter:
🔶 „Wenn ich nicht anpacke, geht alles schief.“
🔶 „Wenn ich mich nicht kümmere, kümmert sich niemand.“
🔶 „Wenn ich breche, bricht alles.“
Das Gesetz der Gegenspieler
Beziehungen mit anderen Menschen funktionieren wie ein biologischer Organismus und unterliegen dem biologischen Gesetz der Gegenspieler.
In meiner kinesiologischen Ausbildung habe ich gelernt:
Wenn ein Muskel dauerhaft hyperaktiv ist und die gesamte Arbeit übernimmt, schaltet der gegenüberliegende Muskel (der Gegenspieler) automatisch ab. Er wird träge und kraftlos. Das ist keine böse Absicht des Muskels, sondern reine biologische Kompensation.
Genau das passiert in vielen Beziehungen auch.
Wenn eine starke Frau unbewusst jede Verantwortung an sich reißt, bleibt dem Gegenüber oft gar keine andere Wahl, als Verantwortung abzugeben und in die Passivität zu gehen.
Und wenn’s um den durch diese Dynamik in der Passivität gefangenen Mann an der Seite der taffen Lady geht, ist bei der nächsten Lady’s Night das Gesprächsthema Nummer Eins klar: „Ich verstehe das einfach nicht. Ich wollte einen starken Mann an meiner Seite haben, aber eigentlich stemme ich immer alles allein.“
Den biologischen Organismus wieder ins Gleichgewicht bringen
Die gute Nachricht lautet:
Wir können den biologischen Organismus wieder ins Gleichgewicht bringen beziehungsweise die verfahrene Dynamik lösen.
Die weniger gern gehörte Nachricht:
Die Veränderung beginnt mit einem Akt, der sich für eine hyper-souveräne Macherin anfühlt wie der blanke Horror.
Wir lassen los. (Ich weiß: 💩😱💩😰💩)
Aber das mit dem Loslassen funktioniert echt gut, wenn man es wagt.
Ich hab’s selbst immer wieder getestet, insbesondere im Alltag mit Ehemann und Kindern (weil dort die Lernwiese par excellence liegt).
Der Jammerlappen in mir hat natürlich sofort Alarm geschlagen, wenn es etwas zu verändern galt, und gebrüllt:
„Bist du des Wahnsinns knusprige Beute? Das kannst du doch nicht machen! Wir werden alle sterben!“ 🌪️🙈
Aber weißt du was?
Immer dann, wenn ich dem lauten Getöse meiner inneren Stimme nicht gefolgt bin und das jeweilige Thema losgelassen beziehungsweise wirklich abgegeben habe, war da keine Katastrophe, folgte kein Armageddon.
Klar gab’s dort und da Holprigkeiten.
Mitunter musste ich mich auch regelrecht dazu zwingen, nicht wieder einzugreifen und à la Jammerlappen das Zepter an mich zu reißen.
Doch genau dort, wo ich es wirklich geschafft habe, lief’s definitiv besser, als mir mein innerer Jammerlappen anfangs weismachen wollte.
Mein Loslassen wirkte sich außerdem nicht nur auf das Vis-à-vis und den Beziehungsalltag positiv aus, sondern auch auf mich und meine Gesundheit.
Den Jammerlappen vom Thron stoßen 🦵💥
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, möchte ich dir das hier mit auf den Weg geben:
Gib ab und lass wirklich los (autsch, ja, ich verstehe dich, aber ohne dem geht’s nicht, auch wenn sich der Jammerlappen noch so sehr am Thron festkrallt).
Entlarve deine inneren Muster, die destruktive (manchmal nahezu teuflische) Dynamiken nähren, und schick sie über den Jordan.
Nur so kannst du echte Souveränität auf Augenhöhe mit deinem Mann, deinen Kindern, Freunden, Geschäftspartnern, Mitarbeitenden & Co leben.
Und du bleibst trotzdem immer noch eine starke und taffe Frau (und falls du Mutter bist: die beste Mutter der Welt), aber mit einer neuen weiblichen Qualität, die von Vertrauen in dich selbst und andere getragen wird, und die dir noch dazu das Tüpfelchen auf dem I schenkt: körperliches und psychisches Wohlbefinden.
Von Herzen 💕
Alexandra
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Ich begleite in erster Linie selbstständige Frauen, weibliche Führungskräfte und Macherinnen durch tiefgreifende, existenzielle Umbrüche.
Auf meinem Blog teile ich Gedanken, Erfahrungen und Beobachtungen und plaudere auch gern mal aus meinem Nähkästchen.
Meine Blogartikel werden vom Jammerlappen begleitet – der Comicfigur, die ich Anfang 2025 entwickelt habe, um innere Muster und Selbstsabotage-Mechanismen humorvoll-provokant in Szene zu setzen.