Zwischen Selbstanspruch und Selbstzerstörung – Gedanken zum Jahresende

Das Jahresende ist traditionell die Zeit, um Rückschau zu halten. Schon seit Tagen verfolge ich in den sozialen Medien die diversen Beiträge von Freunden, Kunden, Bekannten und auch mir Fremden. Und egal, welchen Beitrag ich lese: Zwischen den Zeilen erkenne ich immer einen Jammerlappen. Meist ist es der Mangelzwerg – vermutlich auch deshalb, weil er einer ist, der bei mir im Hintergrund gern die Fäden zieht.

Und dazu habe ich heute eine persönliche Geschichte für dich. Eine, die mir deutlich vor Augen geführt hat, welche Auswirkungen dieser Mangelzwerg auf mich hätte haben können, wenn ich mir seiner subtilen Beeinflussung nicht bewusst geworden wäre:

Erst vor zehn Monaten, also im April 2025, entwarf ich zum ersten Mal die Jammerlappen-Figur. Und nach nur acht Wochen, Ende Mai 2025, stellte ich sie der Öffentlichkeit via Facebook vor, weil ich diese soziale Plattform als mein Sichtbarkeitstor definiert hatte.

Das Jammerlappen-Projekt war – und ist es noch, wie du am Ende des Artikels lesen wirst – meine Liebe, meine Berufung, mein Leben. Ich fühlte mich nicht nur endlich angekommen bei mir selbst. Ich war ehrlich stolz darauf, was ich allein in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hatte.

Bis mir dann im Herbst mein intensives Tun um die Ohren flog. Alles, was ich tat, fühlte sich plötzlich an wie „außer Spesen nichts gewesen“. Ich schaute mir immer wieder die Analyse-Daten auf Facebook an – und was ich dort sah, ruinierte meine Motivation von Tag zu Tag mehr. Mein persönlicher Jammerlappen, mein Mangelzwerg, übernahm zunehmend die Regie.

Jedes Mal, wenn ein Posting nicht denselben Aufrufwert erreichte wie ein oder zwei davor, begann ich, mich innerlich zu kritisieren – manchmal sogar, mich innerlich zu zerfleischen.
(Ja, da war natürlich auch noch der Querulant mit im Spiel, ab und an poppte auch der Spielverderber hoch, vom Kapitulierer ganz zu schweigen. Ein Jammerlappen kommt eben selten allein. 😉)

Über Wochen – eigentlich Monate – hinweg orientierte ich mich an einem inneren Bild, das für mich zur harten Realität wurde: kleine Reichweite, wenig Resonanz, viel Arbeit, viel Aufwand, kaum Wirkung.
(Was sich dann auch noch auf meinem Bankkonto widerspiegelte. Wer schon einmal unter echten Existenzängsten gelitten hat, kann spätestens jetzt nachfühlen, welche theatralische Dramamusik mein persönliches Jammerlappen-Orchester zum Besten gab. 🤪)

Dieses innere Bild meines vermeintlichen Versagens beeinflusste meine Entscheidungen, raubte mir Energie und nahm mir über Wochen hinweg meine Selbstachtung. Ich war tatsächlich so weit, mein Jammerlappen-Projekt als gescheitert ad acta zu legen.

Doch dann wollte es der Zufall, dass ich auf ein altes Posting von mir stieß – eines, das ich etliche Monate vor der Veröffentlichung des Jammerlappens auf Facebook geteilt hatte. Ich sah mir die Zahlen dahinter an, und mir fiel erst einmal die Kinnlade herunter. Also grub ich ein weiteres Posting aus, mit demselben Ergebnis. Ich schaute mir noch eines an, und noch eines. Ich tat das mit weiteren zehn Postings aus meiner Zeit vor dem Jammerlappen – und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Das Ergebnis dieser Analyse war eindeutig:
Die durchschnittliche Reichweite meiner Postings hat sich seit Mai 2025 vervierfacht.
Seit Monaten – interessanterweise genau seit dem Zeitpunkt, ab dem ich mein Tun beinahe täglich hinterfragte und mein Jammerlappen-Orchester immer lauter spielte – fällt kein einziger meiner Beiträge mehr unter eine Schwelle, die früher die absolute Ausnahme war.

Ich erkannte:
Mein größtes Hindernis ist nicht Sichtbarkeit.
Es ist mein innerer Anspruch daran, wann, wie viel und in welchem Zeitraum etwas zu zählen hat.

Und basierend auf der Schnelllebigkeit unserer Zeit, den ständig steigenden Lebenshaltungskosten und den generell hohen gesellschaftlichen Anforderungen (und jenen von Social Media) fühlt sich dieser Zeitraum immer zu klein an – während Erwartungen und Ansprüche immer weiter steigen.

Doch Wachstum und Entwicklung – egal, ob es im Kern um ein berufliches, familiäres oder zutiefst privates Thema geht – sind Prozesse, die sich über Jahre erstrecken. Nicht über Tage oder Wochen. Und sie enden selten mit einem Paukenschlag.

Wenn wir dem Zeitgeist nicht entsprechen, passiert mit vielen von uns etwas fundamental Erschütterndes:
Wir werten uns selbst ab, weil wir nicht mehr sehen können, wie wir uns tatsächlich weiterentwickeln und über uns hinauswachsen.

Und wenn wir das nicht sehen, wenn wir zulassen, dass der Jammerlappen weiterhin im Hintergrund die Fäden zieht, und wir nicht bewusst die imaginäre Schere in die Hand nehmen, um diese unsichtbaren Fäden zu durchtrennen (und dem Orchester den Ton abzudrehen 😁), bleiben wir gefangen im selbst auferlegten Elend.

Die eigene Entwicklung und den eigenen Fortschritt nur dann anzuerkennen, wenn sie laut sind, (finanzielle) Entlastung bringen, oder sich spektakulär anfühlen, ist der falsche Weg.
Das eigene Tun auf Basis eines alten Bildes von sich selbst zu bewerten – oder sich ständig mit anderen zu vergleichen – ebenso.

Für mich ist klar, dass es 2026 mit meinem Projekt weitergeht, denn es ist das, was sich für mich – ohne dem inneren Jammerlappen-Rauschen im Hintergrund – richtig und stimmig anfühlt. Wohin auch immer mich das führen mag – und unabhängig davon, ob ich damit mein finanzielles Auslangen finde oder nicht.

Denn dieses Projekt ist so viel mehr als nur etwas Kreatives, Humorvolles oder Provozierendes.
Es ist der Repräsentant einer destruktiven Dynamik in einer auf Selbstzerstörung aufgebauten Welt – einer Welt, in der wir eigentlich gar nicht leben wollen und dennoch tief darin verhaftet sind.

Und damit darf endlich Schluss sein.
Findest du nicht?

Von Herzen 💕
Alexandra

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Ich bin Alexandra Glander –
psychologische Beraterin, Supervisorin und kreative Prozessbegleiterin.

Mit dem von mir entwickelten psychosozialen Deutungs- und Arbeitsmodell „Der Jammerlappen“ begleite ich Menschen dabei, destruktive innere Dynamiken zu erkennen und zu verändern.

Das Modell verbindet Tiefe mit Humor, Provokation mit Herz und Kopf mit Gefühl – eine Kombination, die selbstsabotierende Muster schneller sichtbar und leichter veränderbar macht.

Ich stehe für gelebtes Self-Commitment und für radikal-ehrliche Selbsterkenntnis, die manchmal schmerzt, aber immer befreit.

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