Das Zeitalter der Menschen am Limit

Heutzutage sind sehr viele Menschen mit ihren Nerven am Ende. Ich höre das in Gesprächen, ich lese es zwischen den Zeilen, und ich bemerke das an manchen Tagen auch deutlich an mir selbst. Menschen berichten davon, dass sie kaum noch wissen, wie sie durch den Tag kommen sollen, dass selbst kleine Anforderungen sie überfordern, dass ihr System plötzlich streikt, obwohl sie doch „eh immer funktioniert haben“. Das passiert nicht mehr nur vereinzelt oder punktuell, sondern flächendeckend und unabhängig von Geschlecht, Alter, familiärer oder beruflicher Situation.

Oft wird das als persönliches Problem gesehen und als individuelles Scheitern interpretiert.
Es wird einem unterstellt, dass man mangelhaft belastbar sei, dass es an Disziplin fehle, oder dass man „sich nicht gut genug im Griff habe“.

Aus meiner Sicht greift diese Erklärung zu kurz – sie ist sogar gefährlich.

Das Nervensystem als Schutzinstanz, nicht als Gegner

Was wir in der heutigen Zeit erleben ist weniger ein individuelles Versagen. Es ist eine kollektive Überlastung – und die äußert sich nicht nur mental, sondern vor allem auch körperlich: Unser Nervensystem reagiert und fährt alle Schutzmechanismen hoch. Der Wächter, der Bodyguard in uns bäumt sich auf, um unseren Körper zu schützen, damit er nicht den Geist aufgibt.

Eine Welt, die zu viel geworden ist

Die Belastungen, die unsere moderne Welt mit sich bringt, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in ihrer Dichte, Geschwindigkeit und Komplexität massiv erhöht. Das ist für viele kaum mehr regulierbar.

Wir sind permanenter Reizüberflutung durch Informations-, Bilder- und Meinungsvielfalt ausgesetzt. Dazu kommen moderne Vergleichsmaßstäbe, unsichtbare Frequenzen und digitale Dauerbeschallung. Und selbst jene Bereiche, die früher Ausgleich geboten haben – Ruhe, Schlaf, Natur, Essen, Beziehungen –, sind für viele nicht mehr selbstverständlich verfügbar oder ebenso belastet.

Und trotz all dem sollen wir leistungsfähig, anpassungsbereit, diszipliniert, empathisch und resilient bleiben.

Das alles in Summe ist jedoch kein natürlicher Zustand für ein menschliches Nervensystem.

Regeneration gleicht mittlerweile einer Herkules- oder Sisyphus-Aufgabe, statt einfach zu geschehen.
Unser Bodyguard kommt einfach nicht zur Ruhe, rackert sich im 24/7-Modus ab – ohne Pause.

Erschöpfung ist eine nachvollziehbare Reaktion

Wenn Menschen in diesem Zusammenhang einfach „nicht mehr können“, ist das keine Schwäche – es ist eine nachvollziehbare Reaktion.

Ich beobachte, dass viele Betroffene dann außerdem dazu neigen, sich selbst in Frage zu stellen. (Ich gebe zu, ich gehöre an so manchen Tagen auch zu jenen Betroffenen. 😉)

Sie suchen nach Erklärungen, nach Ursachen, nach Lösungen – und setzen sich damit oft noch weiter unter Druck. Dabei ist genau das in akuten Überlastungsphasen meist das Gegenteil von dem, was das Nervensystem braucht.

Es braucht keine weitere Analyse, keine Optimierung, keine Affirmationen und keine großartigen Veränderungen von Verhaltensweisen.

Was es braucht, ist zunächst einfach nur Entlastung.

Der SOS-Anker für dein Nervensystem

Das Nervensystem reguliert sich nicht über Gedanken an gestern oder morgen und schon gar nicht darüber, sich für die aktuelle Befindlichkeit zu verurteilen.

Es reguliert sich über gegenwärtige Erfahrung, über Atmung, über Bodenkontakt, über das bewusste Wahrnehmen dessen, was gerade ist – ohne es sofort verändern zu müssen und ohne es zu bewerten.

Die simple Aufforderung an dich selbst lautet in solchen Phasen:
Kehre zurück ins Hier und Jetzt.

Für ein paar Minuten nichts zu wollen und nichts zu denken, sondern einfach nur die Füße auf dem Boden zu spüren, sich selbst atmen zu hören und den eigenen Herzschlag bewusst wahrzunehmen, ist der – wie ich es gerne nenne – SOS-Anker des Nervensystems.

Du musst nicht immer alles verstehen oder analysieren und in seine Einzelteile zerlegen.
Du musst auch nicht besser werden oder noch ein bisschen mehr durchhalten.

Du bist nicht kaputt – es ist manchmal einfach nur zu viel

Wenn dein System gerade am Limit ist, dann ist das kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es ist ein Hinweis darauf, dass etwas zu viel geworden ist.

Du darfst dir das Ankommen und das simple Hiersein im Jetzt wert sein – dein Nervenkostüm wird’s dir danken.

Von Herzen 💕
Alexandra

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Ich bin Alexandra Glander –
psychologische Beraterin, Supervisorin und kreative Prozessbegleiterin.

Mit dem von mir entwickelten psychosozialen Deutungs- und Arbeitsmodell „Der Jammerlappen“ begleite ich Menschen dabei, destruktive innere Dynamiken zu erkennen und zu verändern.

Das Modell verbindet Tiefe mit Humor, Provokation mit Herz und Kopf mit Gefühl – eine Kombination, die selbstsabotierende Muster schneller sichtbar und leichter veränderbar macht.

Ich stehe für gelebtes Self-Commitment und für radikal-ehrliche Selbsterkenntnis, die manchmal schmerzt, aber immer befreit.

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