Der Jammerlappen war ursprünglich kein Schimpfwort

Wann genau haben wir eigentlich begonnen, menschlichen Schmerz lächerlich zu machen?

Der „Jammerlappen“ war ursprünglich nämlich tatsächlich keine Beschimpfung und auch nichts, womit man Menschen abwertete, wenn sie ihre Verletzlichkeit oder ihren Schmerz zeigten.

Dass das heute vielerorts anders ist, sagt über unsere Gesellschaft und unseren Umgang mit Gefühlen vermutlich mehr aus, als uns lieb ist.

Aber eins nach dem anderen.

Was bedeutet „Jammerlappen“ ursprünglich?

Ich beschäftige mich gern mit Etymologie, also mit der Frage, woher Wörter eigentlich kommen. Kürzlich habe ich mich da ein wenig tiefer reingefuxt – mit einer Erkenntnis, die weitreichender ist, als man glaubt.

Tatsächlich bedeutet das Wort „Jammerlappen“ nämlich schlicht:
„das Tuch, mit dem man Tränen abwischt“.

Spannend, oder?

Recherchiert man den Wortstamm „Jammer“, findet man heraus, dass dieser aus sehr alten Sprachformen kommt und ursprünglich für Klage, Schmerz, Betrübnis, Pein oder Wehgeschrei stand – vermutlich war’s sogar einmal eine Art Klageruf.

Das Online-Etymologie-Wörterbuch DWDS.de verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auch auf das Wort „Jammertal“:
„das irdische Dasein“ beziehungsweise vom spätlateinischen „vallis lacrimārum“ – „Tal der Tränen“.

Vom Schmerz zur Beschimpfung

Aus einem Wort, das ursprünglich menschlichen Schmerz beschrieben hat („Jammer“) beziehungsweise das Werkzeug („Jammerlappen“), das die Tränen auffängt, die dieser Schmerz verursacht, wurde im Laufe der Zeit also eine Beschimpfung.

🔶 Als ob Traurigkeit peinlich wäre.
🔶 Als ob Klagen automatisch Schwäche bedeuten würde.
🔶 Als müsste ein Mensch immer nur funktionieren, lächeln und stark sein – selbst dann, wenn innerlich längst alles schreit.

Vielleicht wird das Wort heute genau deshalb so oft abwertend benutzt, weil echte Verletzlichkeit kaum noch auszuhalten ist und gesellschaftlich als No-Go zählt?

Warum mein Projekt „Der Jammerlappen“ oft missverstanden wird

Möglicherweise wird deshalb auch mein Projekt immer wieder missverstanden.

Denn vielen Menschen fällt zunächst nur die Provokation auf:
der Name, die Zuspitzung, die unbequemen Wahrheiten.

Was dabei leicht übersehen wird:
Hinter so gut wie jedem sogenannten „Jammerlappen“ steckt ein Mensch, der verletzt ist, überfordert, erschöpft, verunsichert oder innerlich schon viel zu lange kämpft.

Und genau darum geht es mir:
sichtbar zu machen, was darunter liegt.

Die Comicfigur „Der Jammerlappen“ als Symbol

Das orange Kerlchen, wie ich ihn auch gern nenne, zeigt all das in unterschiedlichen Varianten, Richtungen und auf verschiedenen Ebenen – mal oberflächlich, mal tief, mal gesellschaftspolitisch, mal systemisch.

Und dort, wo Menschen bereit sind, da auch mal ehrlich hinzuschauen, zeigt sich für mich echte Stärke.
Genau dort, wo meine Comics treffen, hören sie endlich auf, so zu tun, als wäre nichts.

Wenn sie hinschauen auf …

🔶 ihren Schmerz,
🔶 ihre Muster,
🔶 ihre Angst,
🔶 ihre Überforderung,
🔶 ihre Verletzlichkeit,

kommen sie nämlich wieder in Verbindung mit sich selbst.
Sie öffnen eine Schleuse und jener innere Teil, der trotz allem gesund und schmerzfrei geblieben ist, kommt zum Vorschein und eine ungeahnte, längst vergessene Kraft beginnt sich zu entfalten.
Wer das schon mal erlebt hat, weiß, wovon ich spreche.

Abgesehen davon möchte ich unbedingt noch erwähnen:
Eine weitere echte und längst vergessene Stärke besteht für mich außerdem darin, den Mut aufzubringen, Menschen voller Schmerz nicht länger abzuwerten, indem man das Wort „Jammerlappen“ geringschätzig und diffamierend benutzt.

Stattdessen ist es längst überfällig, dass wir Offenheit leben und uns wieder mit mehr Mitgefühl begegnen.

Der Jammerlappen als wirkende Kraft

Für mich bestätigt sich nach dieser Wortherkunftsrecherche das, was mir von dem Tag an klar war, an dem meine Comicfigur „Der Jammerlappen“ auf meinem Zeichentisch geboren wurde:
„Der Jammerlappen“ ist kein Schimpfwort.

Der Jammerlappen ist der, der die Tränen auffängt, wenn der Schmerz zu groß wird.

Und das klingt für mich wunderschön.

Von Herzen 💕
Alexandra

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Ich bin Alexandra Glander.
Ich begleite Menschen dabei, festgefahrene Situationen zu sortieren, Zusammenhänge zu erkennen und wieder Klarheit für ihre nächsten Schritte zu gewinnen.

Viele kennen mich auch als die Erfinderin des Jammerlappen-Universums – einem Kunst- und Kreativprojekt, das menschliche Muster mit Humor und Tiefgang sichtbar macht.

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