Sie lächelt oft. Sie nickt schweigend, wenn andere sprechen. Sie hat immer einen hilfreichen Vorschlag parat. Sie versteht viel und fühlt noch mehr. Wenn sie einen Raum betritt, wird es plötzlich friedlicher. „Du bist ein Engel“, oder „Wenn du kommst, geht die Sonne auf“ ist das, was sie oft hört. Aber als sie mir gegenübersitzt, sagt sie leise: „Ich weiß gar nicht, wer ich bin und was ich wirklich will.“
Es sind oft die Menschen, die als verlässlich, warmherzig und verständnisvoll gelten, die irgendwann in sich spüren, dass sie auf eine Art leben, die sich nicht nach ihnen anfühlt. Sie sagen viel zu oft Ja oder stimmen schweigend zu. Sie schlucken ihre Gedanken und Gefühle herunter, nur um nicht anzuecken – oder um gar nichts sagen zu müssen.
Sie tun das meistens nicht, weil sie konfliktscheu sind, sondern weil sie einfach nur Frieden wollen – und weil sie geliebt werden wollen. Sie glauben, dass Beziehungen nur dann funktionieren, wenn sie sich selbst zurücknehmen – wenn sie den Erwartungen anderer entsprechen. Dann werden sie geliebt. Dann ist alles gut.
In meiner Arbeit beobachte ich oft, dass Menschen schon sehr früh in ihrem Leben gelernt haben, dass sie nicht erwünscht sind, dass ihre eigene Wahrheit stört. Sie haben gelernt, dass es besser ist, sich nicht zu zeigen, sich nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Sie haben verinnerlicht, dass es besser ist, wenn man sich anpasst, und dass es klüger ist, zu schweigen, vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, überhaupt nicht willkommen zu sein.
Eine derartige Prägung kann sehr weit zurückreichen, sehr oft sogar bis zur Geburt oder auch schon in die Zeit, in der man sich noch im Bauch der Mutter befand. Dass unsere ersten Prägungen eng mit unserer Mutter verbunden sind, ist kein Mythos – wissenschaftliche Studien belegen das. Es ist also auch nicht verwunderlich, wenn mich in meiner Praxis oft Menschen aufsuchen, die ein tiefsitzendes Mutterthema haben, aus dem dann unter anderem das Muster der Harmoniesucht – oder wie viele meinen, Konfliktscheue – entstanden ist.
Für Menschen, die so ticken, steht Harmonie über ihrer eigenen Wahrheit. Beziehungen werden stets über die Selbstwahrnehmung gestellt. Der Wert der Anpassung zählt mehr als das Leben der eigenen Identität.
Doch der Preis, den man dafür zahlt, ist hoch. Denn wer sich dauerhaft anpasst, verliert irgendwann den Zugang zu sich selbst. Er verliert die Klarheit darüber, was überhaupt das Eigene ist – wer oder was man überhaupt ist.
Je länger man in diesem Muster verharrt, je länger man es lebt und es nicht wagt, den ersten Schritt aus diesem destruktiven System zu machen, desto leiser wird die eigene Stimme der Wahrheit – bis man sie kaum noch hört und nur noch wie ein ferngesteuerter Roboter sein Dasein fristet.
Wenn du dich heute angesprochen fühlst, dann frag dich:
- Was brauchst du, um das Umfeld, in dem du dich nicht willkommen fühlst, zu verlassen?
- Wo befindet sich das Umfeld, das dir wirklich und echt das Gefühl gibt, willkommen zu sein?
- Was hindert dich daran, dem Umfeld, das dir nicht guttut, den Rücken zu kehren?
Von Herzen 💕
Alexandra
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Ich bin Alexandra Glander –
psychologische Beraterin, Supervisorin und kreative Prozessbegleiterin.
Mit dem von mir entwickelten psychosozialen Deutungs- und Arbeitsmodell „Der Jammerlappen“ begleite ich Menschen dabei, destruktive innere Dynamiken zu erkennen und zu verändern.
Das Modell verbindet Tiefe mit Humor, Provokation mit Herz und Kopf mit Gefühl – eine Kombination, die selbstsabotierende Muster schneller sichtbar und leichter veränderbar macht.
Ich stehe für gelebtes Self-Commitment und für radikal-ehrliche Selbsterkenntnis, die manchmal schmerzt, aber immer befreit.